Stressprävention

Was ist Stress eigentlich ?

Stress kann man ganz allgemein zusammengefasst als psychischen und körperlichen Anspannungszustand bezeichnen, der eine Vielzahl von Ursachen haben kann. Hierzu gibt es unterschiedliche Theorien, die alle ihre Berechtigung haben und Stressursachen aus verschiedenen Blickwinkeln definieren.

So beschreibt Walter Cannon Stress als eine Notfallreaktion, auf die der Körper blitzartig entweder mit Flucht oder Angriff reagiert.

Eine ähnliche Definition hat auch Hans Selye für Stress gefunden. Dieser konzentriert sich besonders auf den Wechsel von Anspannungs- und Entspannungsphasen. Er unterscheidet zwischen punktuellem und chronischem Stress, der infolge mangelnder Erholung zur Erhöhung des Erregungsniveaus führen kann und dann häufig auch zu gesundheitsbeeinträchtigenden Folgen.

Der Wissenschaftler Henry beschäftigte sich hauptsächlich mit den körperlichen Reaktionen in Stresssituationen und beobachtete, dass Stress durch Furcht zu einem Anstieg des Adrenalins, Stress durch Ärger zu einer Erhöhung des Noradrenalins und Testosterons und Stress durch Unterordnung zu einem Cortisol Anstieg und Abfall des Testosteronspiegels führt.

Das am stärksten verbreitete Stressmodell ist das Transaktionale Stressmodell von Lazarus. Er macht Stress abhängig von der persönlichen Bewertung einer Situation durch die Person. Dies ermöglicht den Ansatz, dass Stress durch persönliche Einstellung und Erfahrungen beeinflusst werden kann.

Ähnlich wie bei Lazarus spielen auch bei Stevan Hobfoll die individuellen Ressourcen eine wichtige Rolle für das Stressempfinden. Er geht davon aus, dass es ein menschliches Grundbedürfnis gibt, seine Ressourcen zu erhalten und weiter aufzubauen, um sich Sicherheiten zu schaffen. Sind diese Ressourcen gefährdet oder falsch investiert worden, so gerät das Individuum in eine Stresssituation.

Im Betrieblichen Stressmanagement und Gesundheitsmanagement findet man oft das „Job-Demand-Control-Modell“ von Karasek. Er macht Stress stark abhängig von zwei Faktoren – den Arbeitsanforderungen und den Entscheidungsspielräumen. Stress entsteht seiner Meinung nach besonders, wenn die Anforderungen hoch und die Entscheidungsspielräume klein sind.

Was kann man gegen Stress unternehmen ?

In den vielen Jahren der Stressforschung haben sich diese 3 ergänzenden Ansätze des Stressmanagements durchgesetzt:

  1.  Das instrumentelle Stressmanagement
  2.  Das kognitive Stressmanagement und
  3.  Das palliativ-regenerative Stressmanagement

Beim instrumentellen Stressmanagement geht es darum, die Ursachen für den Stress (Stressoren) zu finden, zu reduzieren oder auszuschalten.

Tipps zum instrumentellen Stressmanagement:

  • realistisches Zeitmanagement,
  • „Nein“-Sagen,
  • Suchen von Unterstützung (beruflicher/ privater Unterstützung),
  • Abgeben von Aufgaben,
  • Besuchen von Schulungen, Trainings oder Coachings,
  • klärende Gespräche zum Konfliktabbau suchen,
  • Wechsel des Wohnortes, Aufbau eines sozialen Netzwerkes,
  • Wechsel des Arbeitgebers.

Das kognitive Stressmanagement setzt bei der individuellen Einstellungsveränderung an. Bei dieser Form des Stressmanagements werden Bewertungen, Motive und Einstellungen verändert.

Tipps für erfolgreiches kognitives Stressmanagement:

  • das Akzeptieren der persönlich begrenzten Leistungsfähigkeit,
  • Ablassen von Perfektionismus,
  • Ziele neu definieren,
  • negative Gefühle hinter sich lassen können,
  • das Kennen der eigenen Werte und Motive,
  • permanentes Anpassen der persönlichen und beruflichen Prioritäten,
  • eine positive Einstellung – Schwierigkeiten als Herausforderungen sehen,
  • sich auf die wichtigen Dinge fokussieren können.

Als palliativ-regeneratives Stressmanagement bezeichnet man ein emotionsorientiertes Stressmanagement. Dieses konzentriert sich auf die Regulation von Anspannungsgefühlen, die in Stressreaktionen entstehen.

Tipps für palliativ-regeneratives Stressmanagement

kurzfristig:

  • die Anwendung von Entspannungstechniken während der Arbeit (z.B. Business-Yoga, Atemtechniken, Tai Chi, Qui Gong, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung),
  • Aktive Pausen,
  • Treppensteigen,
  • Firmen-Fitness-Angebote/ Präventionskurs-Angebote wahrnehmen,
  • Ablenkungen

Längerfristig:

  • die Pflege von sozialen Kontakten (z.B. Zeit mit Freunden/ Familie verbringen),
  • regelmäßiges Sport treiben (z.B. Joggen, Boxen, Schwimmen, Aerobic),
  • regelmäßige bewusste Erholungspausen (z.B. Sauna- und Wellness-Angebote, bewusstes Entspannen am Wochenende, längerer Urlaub, Sabbatjahr/ Sabbatical),
  • Arbeitszeitkonten,
  • Altersteilzeit-Modelle.